03/10/2023 “Mit mir die Sintflut”- Theater 36//

Aber was ich bekommen habe, war teilweise genau das, was Theater zur Kunstform für mich macht. Ich wurde eingesogen, war teilweise minutenlang mit dem Kopf NUR in der Handlung. Ich habe die schönen Bilder bewundert, wenn eine Darstellerin alleine auf der Szene an einem Keyboard stand und vor sich hinklimperte. Völlig unmelodisch, aber es fing so viele Gefühle ein: Denn was ist eine Flucht in eine Turnhalle, wenn nicht unmelodisch, dunkel und nur von einem kleinen Lichtschein erhellt? – A.Vorbach

 

Mein Erster Kontakt zum Inklusionstheater – Theater 36

Durch mein Ehrenamt bei Leben mit Behinderung Hamburg und Instagram habe ich mitbekommen, dass im Oktober ein Stück aufgeführt wird, ” Mit mir die Sintflut”, von einer Theatergruppe, die alles andere als “gewöhnlich” ist. In diesem Beitrag möchte ich euch davon erzählen, wie der Besuch bei theater 36 für mich war, was er mir gezeigt und gegeben hat.

 

Der Location und Atmosphäre

Die Vorstellung hat im Goldbekhaus stattgefunden, in einer Mehrzweck-Turnhalle, die aber technisch gut ausgestattet war. Ich war dort noch nie, weiß auch nicht, was dort sonst so passiert, aber die Atmosphäre war gleich sehr gemütlich und schön. Und vielleicht auch familiär, der Regisseur war eigentlich allgegenwärtig, eröffnete den Theaterabend mit einer kleinen Rede und einem Danke und ging dann los zur Technik, um die Töne einzuspielen. Ja. Natürlich saß ich gleich neben den Pulten- da kann ich einfach nicht anders.

Und dann begann ein schöner, bildreicher, interessanter und ganz besonderer Theaterabend.

 

Hier einmal die „Definition“ von Inklusionstheater für die unter euch, die das noch nicht kennen:

Der Begriff Inklusionstheater bezeichnet:

Der Begriff Inklusionstheater bezeichnet Projekte im Bereich Darstellende Kunst, bei denen Schauspieler*innen, Choreograf*innen und Performer*innen oder Tänzer*innen mit und ohne Behinderungen zusammen arbeiten

-aus dem Lexikon von nachtkritik.de

 

Teile des Flyers von Theater 36
Aus dem Flyer, den es zum Stück von theater 36 gab. entschuldigt die schlechte Qualität.

Zur Vorstellung : Mit mir die Sintflut- theater 36

Die Geschichte war einfach: Einige Leute, die sich in einer Turnhalle in Sicherheit vor einem großen Unwetter bringen. Und die dann mit ihren Unterschiedlichkeiten, Sorgen und Ängsten aufeinander treffen.

Ich weiß nicht, was genau ich erwartet habe. Meine Motivation, zu dieser Vorstellung zu gehen war eigentlich, zu sehen, was passiert, wenn man meine beiden Leidenschaften, Theater und die Arbeit im Ehrenamt (bei Leben mit Behinderung Hamburg), zusammenführt und ob ich mir vorstellen kann, dass mein beruflicher Weg mich in diese Richtung bringt.

Vielleicht habe ich Laientheater erwartet, vielleicht hatte ich Vorurteile, als Personen mit ihren unterschiedlichen Einschränkungen in die Szene traten oder eben auch rollten.

Aber was ich bekommen habe, war teilweise genau das, was Theater zur Kunstform für mich macht. Ich wurde eingesogen, war teilweise minutenlang mit dem Kopf NUR in der Handlung. Ich habe die schönen Bilder bewundert, wenn eine Darstellerin alleine auf der Szene an einem Keyboard stand und vor sich hinklimperte. Völlig unmelodisch, aber es fing so viele Gefühle ein: Denn was ist eine Flucht in eine Turnhalle, wenn nicht unmelodisch, dunkel und nur von einem kleinen Lichtschein erhellt?

Ich habe Bilder bewundert, Gefühle, und ein Miteinander. Wenn der Regisseur (ab und an) kleine Impulse zum Weitermachen aus dem Off gab, wenn die Darsteller sich gegenseitig unterstützten und auch am Ende, beim Applaus. Und das Miteinander – eifrige BlogleserInnen oder Menschen, die mich kennen, wissen es – ist eines der herausragendsten Dinge, weshalb ich die Arbeit am Theater so sehr geliebt habe.

Weiterführende Gedanken zum Inklusionstheater:

Und es gab weitere Gedanken, über die ich mir selbst bisher nicht sehr klar gewesen bin.

Was haben wir für ein Bild von DarstellerInnen und Vorstellungen?

Wie perfekt muss alles sein, um für uns “wertvoll” zu sein?

Hat jeder ein Recht, Theater zu spielen, und worauf warten wir, wenn wir das Nichtperfekte wertschätzen?

Und wie viele Vorurteile sitzen in unserem – zumindest in meinem – Kopf?

War es in meiner Wahnehmung überraschend, dass die Darstellenden das richtig gut gemacht haben? Im Nachhinein fühlte es sich so an, und es kam Scham auf. Nachdem ich beruflich zehn Jahre in professionellen Theatern unterwegs war, hatte ich gewisse Standards und Ausbildungsniveaus im Kopf, die ich erstmal zurücksetzen musste. Und das war nötig.

Denn ist das nicht genau der Punkt, auf den ich mit meinem Besuch bei theater36 hinauswollte?

Dass Theater Spaß machen kann, darf, egal, wie „perfekt“ es ist?

Und wurde ich nicht überrascht darin, wie viel Tiefe und Gefühl entstanden ist?

Auf jeden Fall hat theater36 unter der Regie von Jörn Waßmund etwas ganz Tolles geschafft. Mich aus dem kommerziellen Denken rauszuholen und zu genießen, was ein Miteinander bedeuten kann.

Und am Ende wurde uns allen ein angenehmer Untergang gewünscht.

Danke dafür. Und für das andere.

Und wie immer freue ich mich auf Feedback in den Kommentaren, auf Instagram oder per PN auf Instagram.

 

 

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